Forum Porcina |
|
»» Neue Osnabrücker Zeitung 01.08.08
An Zeiten, in denen er sich nicht fürs Mittelalter begeistert hat, kann sich Carsten Wermker nicht erinnern. Im Kindergarten fing es schon an. „Welcher Junge träumt da nicht von Rittern und Burgen?“, fragt der Belmer. Der 36-Jährige hat nie damit aufgehört.
Auch im Geschichtsunterricht in der Schule spitzte er mehr denn je die Ohren beim Thema Mittelalter. Nachmittags wurden Bücher und Hefte gewälzt, und auch aus dem Kassettenrekorder liefen mittelalterliche Geräusche. Noch heute bildet die Musik den Schwerpunkt von Wermkers Begeisterung fürs Mittelalter. Seit drei Jahren ist der Schwimmmeister auch selbst aktiver Musiker. Ausgerechnet bei der Arbeit im Freibad wurde der Schwimmmeister vor zwei Jahren darauf angesprochen. „Eine Frau hatte durch Bekannte erfahren, dass ich Dudelsack spiele. Das sollte ich nun auf ihrem Sommerfest tun“, erinnert er sich an die ersten Schritte zur eigenen Musikband. Denn nach dem ersten Soloauftritt in Bramsche war der Grundstein für „Forum Porcina“ gelegt: eine fünfköpfige Mittelalterband, die inzwischen fast jedes Wochenende auf Märkten, Geburtstagsfeten, Hochzeiten, Stadt- und Straßenfesten für mittelalterliches Flair sorgt. Auch an diesem Wochenende werden sie ihre Dudelsäcke und Trommeln bei der „Goldenen Säge“ in Osnabrück in Schwingungen versetzen. Auf dem Sommerfest waren noch weitere Fans der alten Zeiten. Schon sehr bald gab es mit Silvia und Jochen Oberhage aus Kloster Oesede ein Wiedersehen. „Wir wollten gemeinsam Musik machen, das war schon auf dem Fest klar geworden“, erzählt Carsten Wermker. Mit ihrer Vorliebe für Dudelsäcke war das Trio schnell im Internetportal www.sackpfeifenbau.de registriert. Dort kommen Dudelsackfreunde mit jedem Klick ein Stück weiter auf ihre Kosten. So auch Mathias Richter aus Hasbergen. „Ich habe dort nach Leuten aus der Region gesucht“, erzählt der Musiker, der dann per E-Mail Kontakt zu den Oberhages und Wermker aufnahm. Ein paar Tage – und der vierte Mann war mit im Boot. Dieter Grabow, ebenfalls ein Dudelsackliebhaber aus Hasbergen, führte exakt der gleiche Weg als fünftes Bandmitglied in die Gruppe. Eigentlich reichten zwei Wörter, um das Repertoire der Gruppe zu schildern: „Laute Stimmungsmacher“ seien sie, die mit selbst gebauten Trommeln, Dudelsäcken, Tröten, Djemben und Drehleiern auf ihrem Handwagen durchs Land zögen. Selbst gebaut sind dabei nicht nur die Instrumente, sondern auch ein Großteil der Lieder. „Große Geschichten verbergen sich dahinter nicht“, sagt Wemker. Stimmung sollten die Zeilen bringen, und ein bisschen frech müssten sie auch sein. „So, wie es sich für echte Marktschweine gehört“, meint Richter und grinst. Das sind die fünf Musiker wirklich. Schließlich sei die Bezeichnung „Marktschweine“ auch ihr erster Bandname. „Forum Porcina“ ist die mit mangelnden Lateinkenntnissen gefundene Übersetzung, die jedoch eher Schweinemarkt bedeutet, wie die Gruppe später herausfand. „Marktschwein ist ein leicht abfälliger Spitzname für den Dudelsack“, erklärt Richter. |
|
|